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Dr. Walter Linse in Köln, Juni 1952 Foto wieder
im Familienbesitz, Dank der Dr. K. Adenauer Stiftung
 

Dr. Walter Linses Leben (1903 bis 1953) kann man in vier bedeutenden Abschnit-ten beschreiben. Es war ein deutsches Leben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in Anlehnung an Dr. Benno Kirschs erste Biografie (2007) über Dr. Linse.

1903 bis 1938   Wurzeln und Ausbildung in Sachsen
1938 bis 1949   Bei der IHK Chemnitz unter den Nazis und den Sowjets
1949 bis 1952   In West-Berlin, beim UfJ, gegen das DDR Unrecht.
1952 bis 1953   Die Katastrophe: Überfall, Haft in Ost Berlin Vernehmungen, Qualen, Hinrichtung in Moskau.

Diese Webseite befasst sich mit der zweiten Phase 1938 bis 1949, Linses Arbeit bei der Industrie- und Handels-kammer in Chemnitz auf dem Gebiet der "Entjudung" der  Chemnitzer Wirtschaft. Hat er "als Nazi mitgemacht" oder hat er "den Opfern geholfen", heimlich und getarnt. Warum wurde er 1945 von den Sowjets wieder eingesetzt?

Im Abschnitt "Literatur" (Klick oben links) sind auch andere ausgewählte Schriften und Mediaberichte  angegeben, auf die hier mehrfach Bezug genommen wird.

Dr. Walter Linse

Dr. Walter Linse lebte unter zwei Diktaturen in Deutschland und wirkte gegen beide. Seine Ideale: Recht und Gerechtigkeit - sehr schwer zu verwirklichen.

Menschlich in unmenschlichen Zeiten war er so stark, dass die zweite (SED-Sowjet) Diktatur ihn 1952 gewaltsam aus West-Berlin entführen, verurteilen, und achtzehn Monate später hinrichten liess. Er war damals gerade fünfzig Jahre alt.

In der ersten (Nazi) Diktatur war Linse beratend bei der unseligen Ausgliederung der Juden aus der Chemnitzer Wirtschaft tätig. Raub und Unrecht - aber nicht durch ihn. Es gibt Beispiele und Indizien, dass er Opfer beschützt und ihnen geholfen hat. Seine Akten, für Nazi-Augen geschrieben, verschleiern solche Hilfe. Manchmal können wir aber unter die Tarndecke blicken und die Wahrheit sehen, oder nur ahnen.

Er gehörte zum geheimen Widerstand (Ciphero) gegen die Nazis, wie durch mehrere Dokumente belegt und bestätigt. Er hat sich damals gut geschützt und dadurch die Nazi-Zeit überlebt.

Es gibt auch Kritik, der wir hier sachlich entgegnen möchten, ohne die Kritiker zu kritisieren. Auch sie leben mit ihren Erfahrungen, Verpflichtungen, Wissen und Unwissen. Genau wie wir. Deshalb zeigen wir Dokumente und Zeugnisse derer, die mit Walter Linse in Berührung kamen, wie Aschers aus Chemnitz, die nach gelungener Flucht in die USA aussagten:

 

"Fortunately, Linse was an avowed anti-Nazi...".

 

(Zum Glück war Linse ein überzeugter Nazi Gegner)

Dieses und andere Dokumente werden auf den folgenden Seiten dargelegt. Übersicht und   Zugang finden Sie oben links. Einfach anklicken. Bitte, beginnen Sie doch mit der "Einführung".

Bitte, überzeugen Sie sich selbst.

Sehr geehrte Besucher,

Dr. Walter Linse war mein Onkel. Ich habe ihn persönlich gekannt und als Junge noch im Sommer 1951 in West-Berlin besucht, ein Jahr vor der gewaltsamen Entführung.

Dieses Dossier baut auf das erste Buch von Dr. Benno Kirsch (2007)

WALTER  LINSE  1903 - 1953 - 1996.

Kirsch bietet eine ausgewogene Diskussion, basierend auf vielen Quellen, mit grosser Einsicht in die Umstände der Zeit. Er hinterfragt Dokumente und nimmt sie nicht einfach für bare Münze. (Internet Zugang, Siehe Literatur) Erstmalig beschäftigt sich das Buch auch mit Dr. Linses Rolle bei der unseligen Ausschaltung von Juden aus der Chemnitzer Wirtschaft. Hat Dr. Linse dabei als NS-Täter mitgewirkt, oder hat er sich schützend, aber geheim, für Juden eingesetzt? Obwohl er viele entlastende Dokumente gefunden hat, kommt Kirsch nicht zu einem Freispruch für Linse: Schliesslich habe Linse doch "mitgemacht". Daraus wuchsen Beurteilungen über Linse, denen ich nicht mehr folgen kann.  Zur weiteren Beantwortung dieser Fragen bemühe ich mich, Opfer oder deren Nachkommen zu finden. Meine Ergebnisse liegen jetzt vor und werden im Folgenden besprochen: Linse war ein Anti-Nazi.

Sicher gelte ich wegen meiner Verwandtschaft mit ihm als voreingenommen. Jedoch hörte ich 2007 durch Kirsch zum ersten Mal von Walter Linse's Wirken in der Nazi-Zeit, und war bereit, jedes Ergebnis über Linse zu akzeptieren. Meine eigenen Erinnerungen an die Nazi- und Sowjet-Diktaturen halfen mir, Linse's Aufzeichnungen und Handeln besser zu verstehen. Die Wahrheit kann versteckt sein, nur angedeutet. Oder zwischen den Zeilen. Oder sie besteht darin, was er NICHT geschrieben hat. Alte und neue Dokumente, Aussagen von Zeugen und Opfern, und viele Diskussionen mit anderen, besonders mit Benno Kirsch, haben mich zu einem positiven Urteil geführt. Walter Linse war ein Intellektueller, ein Feind von Nazi-Ideologie und Totalitarismus, ein Idealist, für Recht und Gerechtigkeit.

Begegnungen mit Frau Sonia Ascher und Herrn Joachim Reiter haben meine Ansicht bestärkt. Beide sind Kinder, deren jüdische Eltern in Chemnitz mit Linse zu tun hatten. Es ist verständlich, dass die Eltern nicht viel von der durchlebten Hölle der Nazizeit erzählt haben. So wussten die Kinder anfänglich nichts von Linses Rolle. Sonia Ascher fand jedoch einen Zeitungsartikel (1963), der davon berichtet und Linses Hilfe für Aschers anerkennt. Herr Joachim Reiter, in Herrn Mülders Fernsehreportage Klartext (2007), sagte, es sei wie ein Wunder, dass die Familie so lange ohne Deportation überlebt habe. Er erfuhr erst durch das Buch von Benno Kirsch von Linses fünfjährigem Einsatz für den Vater Gilel Reiter.

Diese und neue Erkenntnisse zeigen, dass Walter Linse auch in der Nazi-Zeit ein anständiger Mensch war und mutige Taten gegen das Regime gewagt hat. Bitte sehen Sie die neue und die bekannte Dokumentation (Überblick und Einzelheiten, Kapitel 1-9) an und denken Sie über deren Aussagen nach.

Vielen Dank für Ihr Interesse und für die schon geleistete Unterstützung. Es geht um die Ehre dieses Mannes, Dr. Walter Linse.

Peter Seifert

HIER SEHEN SIE MEIN INTERVIEW   mit der on-line Zeitung "freiewelt.net"

Bitte beachten: Am Ende des Interviews finden Sie ein Link zu dieser Internet Seite, wo Sie schon sind. Um da weiter zu lesen, klicken Sie einfach Ihren Rückwärts Pfeil.  Danke